Von wegen 

„In Freiheiten verlier‘ ich mich,
zu frei will ich nicht sein!“
Ein freies Lebenszeitgedicht,
geschöpft aus sechzehn Zeil’n.

„In Freiheiten verlier‘ ich mich,
denn Freiheit kostet Raum.“
Ich nehm‘ ihn ein und pflanz hinein,
den freien Lebenstraum.

„In Freiheiten verlor ich mich,
verlor in ihnen dich.“
Und träf‘ er mich im Traume nur,
zum Tanz der klaren Räume Spur,
wüsst‘ er, wovon er spricht.

10.000 Blumen

10.000 Tage schlief er im Garten,
10.000 Tage im Blumentöpflein.
Verborgen im Schatten von 10.000 Blumen,
erwachte zur Blüte der Blumenköpflein.

10.000 Tage lang ist es jetzt Sommer,
10.000 Tage lang ist es jetzt Grün,
und täglich begießt er die 10.000 Blumen,
10.000 werden im Herbst verblühn‘.

10.000 Tulpen verwelken dann langsam,
10.000 Farben, die gehen dann ein,
Rote, Gelbe, Pinke, Blaue, nach,
10.000 Tagen im Sonnenschein.

Am Ende herrscht Winter für 10.000 Tage,
für 10.000 Tage im Blumentöpfchen.
Dann wird er sich kuscheln zu 10.000 Blumen,
und schläft bis zur Blüte der Blumenköpfchen.

Ich bin

Ich bin Produkt der Zeit:
Der Wege, die sie ging und
des Weges, den ich ging.
Der Fragen, die sie stellte und
der Frage, die ich stellte.
Der Antworten, die sie fand und
der Antwort, die ich fand.
Der Fakten, die sie schuf und
des Faktums, das ich bin.
Der Gottheit, die sie erkannte und
der Schönheit, die ich erahnte.
Des Unfalls, den man plante und
des Schicksals einer Wahl.

Die Folgen meiner Wahlen,
sie waren mir bewusst,
doch kann ich heut‘ nicht ahnen,
dass ich in 1000 Tagen,
mich auch entscheiden muss.

Tinktur

Zwei freie Sinnerschwärmer,
beschattet, unterdacht,
entwaffneten sich wortgewandt,
im Einzelkampf der Nacht.

Zwei junge Konstrukteure,
von Raum und Zeit gelöst,
trieben flussab, triefend nass,
des Ziegelkleids entblößt.

Zwei Pure, Sonnenkinder,
verstählerter Struktur,
zersetzten sich, ihr Selbstgedicht,
und Grenzen höher als das Ich,
in Dämmerlicht-Tinktur.

Die Weisen

Willkommen im Wesen,
verwundernder Weisen,
der ständigen Wanderer,
die niemals entgleisen.
Die niemals ausreißen,
trotz alternder Schienen,
die, rostig schon, liegen,
im scheintoten Gleis.

Das Wesen der Weisen,
der willigen Weber,
der dankbaren Dichter,
der liebenden Lehrer!
Versunken im Kontext,
zieh’n Schlüsse aus Kreisen,
zieh’n Wissen aus Leiden:
Das Wesen der Weisen.